Panzerherz - Die Geschichte

Je älter ich werde desto mehr erscheint mir mein Leben wie die Wanderung eines Eisbergs auf den Weltmeeren zum Äquator hin. Je weiter ich dem Licht entgegengleite umso mehr verliere ich an Substanz und löse mich in den Meeren der Welt zur Vereinigung mit all den anderen Eisbergen, Regentropfen und Quellwassern. Nur um durch die Glut der Sonne wieder empor zum Himmel aufzusteigen und mich dem Kreislauf wieder zu ergeben und nach endlicher Zeit in neuer Form auf die Erde herab zu fallen…. Aber das ist nicht der Grund warum ich meine Geschichte erzählen will. Ich möchte mich selbst vor dem Vergessen schützen um mich nicht auf meinem Weg in die ewige Nacht und das Vergessen zu verlieren. In dieser letzten Einbahnstraße des Lebens möchte ich mir Anhaltspunkte liefern, die mich mit erhobenem Haupt in den Untergang gehen lassen. Bevor mich mein Gedächtnis belügt und betrügt, möchte ich bei halbwegs klarem Verstand, möglichst unverzerrt erzählen, wer und was ich war, wie ich es geworden bin und vor allem was es heißt Ich zu sein …

Mein Name ist Conrad Richard Eisenbrand genannt Panzerherz. Ich bin etwa 8 Monate nach dem größten aller Kriege geboren, den diese Welt bis dato erlebt habt. Meinen richtigen Vater habe ich nie gekannt, da er meine Mutter während der militärischen „Befriedung“ unseres Landes, zur eigenen Befriedigung am Straßenrand vergewaltigt, zusammengeschlagen und ihr Nägel durch den Leib getrieben hat um Sie dann halb Tod liegen zu lassen. Sie hat diese dunkelste Stunde ihres Lebens nie verwunden. Diese endlose Hilflosigkeit und Einsamkeit war fortan unauslöschlich ein schrecklicher und unliebsamer Begleiter, der wie grauer Nebel ihren Geist verhüllte und mit seiner negative Energie alles Leben nach und nach aus ihr heraussaugte. Zumal ich auch noch aus dieser ungewollten Vereinigung entstand und sie jede Sekunde gemahnte welche Greul sie erlebte.

Solang sie auf Erden wandelte, vermochte sie es nicht, mir direkt in die Augen zu sehen. Sie wich allen Gefühlen hastig aus und ließ nie auch nur den Ansatz von Liebe oder Zuneigung mir gegenüber erkennen. Erst der letzte wache Blick, den sie mir zuwarf als dann, für Sie Endlich, einer ihrer zahlreichen Selbstmordversuche gelang, war offen in meine Gesicht gerichtet und zeigte mir wie zerrissen sie zwischen Mutterliebe und Hass auf ihr Schicksal war. Als der Blick dann schwand sah ich das erste Mal Frieden auf dem Antlitz meiner Mutter. Da war es aber mit meinen damals 7 Jahren auch schon zu spät. Ich hatte nach all den Entbehrungen meiner Kindheit, der völligen Abwesenheit von Liebe und der ständigen Drangsalierung durch alle anderen Kinder und Erwachsene beschlossen, niemals Gefühle als Grundlage meiner Handlungen zu zulassen.

Alles was ich tat war durchdacht und berechnet, es diente meinem Überleben oder meinem Vorteil. Ich wollte Niemandes Freund oder Feind sein, ich war nicht daran interessiert ob jemand lebte oder starb. Ich wollte nur nie wieder auch nur einen Funken von Verletzlichkeit spüren oder jemanden Macht über mich erringen lassen. Ich war rein Instinkt getrieben. Ich habe alles erreicht was ich wollte, was durch nur zwei einfache Ziele auch nicht allzu schwer war. Ich pflügte und planierte mir meinen Weg durch diese Welt, fokussiert nur auf diese Punkte. Ich nahm zwar alles andere wahr, doch wurde es in meinem Kopf und meiner Seele sofort in den dazugehörigen Behälter gesteckt und dieser fest verschlossen.

Mich plagte auch den Großteil meines Lebens, des Nächtens nie ein dunkler Traum ob meiner Taten. Das änderte sich aber mit den Jahren nachdem die unendlich scheinende Kraft der Jugend geschwunden war und die Last der Toten hockt nun jede Nacht auf meiner Brust. Jetzt bin ich an der Schwelle zum 100sten gelebten Jahr und warte auf meine Ende. Das Licht der Welt erlosch vor Jahren schon, ihr Klang fehlt auch schon ewig. Die ewigen Schmerzen der einzelnen Gelenke, Sehnen und Muskeln machen jeden Tag zu einer ewigen Qual. Zu meinem Glück blieb Mir der Genuss des Essens und Trinkens und der Geruch von anderen Menschen. Doch nun vergehen auch der Geschmack und das Riechen, ich hoff es geht nicht mehr zu lange. Meine Leben kann ich nur durch kleine Nadelstiche in Papier drücken und ertasten. Dies ist meine Geschichte…